Das Bild Ia Orana Maria von Paul Gauguin (*7.6.1848 † 8.5.1903) ist 1891 entstanden und bedeutet auf Deutsch „Gegrüßet seist Du, Maria“. Der französische Maler, der sich auch die Südseeinsel zurückzog, zeigt hier ein Bild der Ausbeutung Marias mit ihrem Christuskind in einer Südseelandschaft. Ein christlich europäisches Motiv wird hier abgewandelt, indem es in einer ursprünglichen exotischen Landschaft, mit einfachen kraftvollen, in sich ruhenden Menschen dargestellt wird.

Darstellung

Das Motiv zeigt eine Küstenlandschaft, wahrscheinlich auf Java, mit tropischen Pflanzen, Palmen, Hütten und dunklen Lavabergen im Hintergrund. Im Mittelgrund stehen auf einem Weg 2 Eingeborene –eine Frau und ein Mann-, nur mit Winkelrock bekleidet, haben die Hände in Anbetung vor der Brust gefaltet. Im Vordergrund rechts steht in eine kräftig rotes Wickelkleid mit weißem Blütenmuster gekleidet eine braunhäutige Insulanerin mit langem dunklen Haar. Nur an dem zarten Heiligenreif um das Haupt wird erkennbar, dass es sich um die heilige Maria mit ihrem Sohn, das Christuskind handelt. Auffällig ist, dass die heilige Maria eine sehr kräftige Statur hat und wie eine Arbeiterin wirkt, auf ihrer linken Schulter links den nackten kräftigen –im Gegensatz zu europäischen Darstellungen- deutlich älteren Jungen tragend. Er legt seinen Kopf auf ihren Schoß und lässt die Arme entspannt fallen. Maria steht ruhig und entspannt, beinahe in Urlaubsstimmung, standfest da. Sie steht auf schwarzer Lavaerde zur linken unteren Bildecke gewandt, ihre rechte Schulter zeigt zu den beiden fest im Bildmittelpunkt stehenden Figuren, sie schaut links am Betrachter vorbei in die Ferne. Im Vordergrund links sind auf einem runden Tisch angeschnitten bananenähniche Stauden und eine Fruchtschale zu sehen.

256px-Paul_Gauguin_071 Bildanalyse "Ia Orana Maria" von Paul Gauguin (Erklärung Motiv und Bildsituation)

Analyse

Das Bild zeigt einen Moment des Stehens, der Ruhe und Anbetung, obwohl es durch die Vielfalt der kontrastreichen Farben und Helldunkelwerte und die Vielfalt der Formen lebendig und bewegt wirkt. Der Kontrast zwischen Schwarz, Hellgelb, Graublau und frischem Rot ist vorherrschend. Der Blick wird sofort auf die große frischrote größte Form der Maria gezogen und dann durch ihre diagonale Position auf die zweitgrößten Formen, die beiden Insulaner geleitet, bevor er über die aufragende Palme rechts von ihnen im Hintergrund schweift zurück auf die farbstarken Früchte im Vordergrund. Der Raum wirkt sowohl drei- als auch zweidimensional. Er ist gestaffelt, aber der Weg mit den 2 Figuren wirkt wie eine Barriere. Durch die fehlende Farbperspektive und den Wechsel von impressionistischem Malstil und plakativem, dekorativem Stil ist das Bild nicht klar naturalistisch, sondern abstrahiert, obwohl es eine natürliche, ursprüngliche Szene zeigt.

Licht

Es gibt keine eindeutigen Lichtquellen, nur am leichten Schattenbild der rechten Gesichtshälfte von Maria könnte man ein Licht von hinten links vermuten. Mittelgrund mit gelbem Sand und gelblich-graublauer Himmel sind neben den von innen heraus leuchtenden Bananen vorne gleichwertig hell, nur noch überstrahlt vom aktiven Rotweiß von Marias Kleid.

Farben und Kontraste

Es gibt kein eindeutiges Licht-Schattenbild, dadurch ist auch die Perspektive eineindeutig, eher eine Zentralperspektive, die links aus dem Bild gelenkt wird bzw. eine schlichte eindeutige Staffelung.

Es sind nach impressionistische Elemente (Farbstufen) zu erkennen und expressionistische (abstrakte Formen und dekorativer Farbeinsatz). Das Bild wirkt nicht sehr homogen oder harmonisch, obwohl das Motiv dies nahelegt. Der Maler legt in ein christliches Motiv die Kraft, einfache Würde und Natürlichkeit ursprünglicher Menschen in der Natur.

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