Die Menstruationsscheibe richtig einzuführen ist einfacher, als die meisten Frauen erwarten – aber die ersten Male brauchen etwas Übung. Die Scheibe sitzt nicht wie ein Tampon im Vaginalkanal, sondern wird im Vaginalfornix direkt vor dem Muttermund platziert und hinter dem Schambein eingehakt. Dadurch erzeugt sie keinen Unterdruck und ist im Alltag kaum spürbar.

Dieser Artikel erklärt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie eine Menstruationsscheibe korrekt einführen, entfernen und was Sie tun können, wenn es beim ersten Mal nicht sofort klappt.

Vorbereitung: Was Sie vor dem Einführen wissen sollten

Bevor Sie die Scheibe einführen, sind vier Punkte wichtig:

  • Hände gründlich waschen. Seife und warmes Wasser reichen aus. Damit verhindern Sie, dass Bakterien in die Vagina gelangen.
  • Scheibe sterilisieren. Vor der allerersten Anwendung und nach jedem Zyklus die Scheibe für 5 bis 10 Minuten in kochendem Wasser auskochen. Während der Periode reicht ein Abspülen mit klarem Wasser beim Wechsel.
  • Richtige Größe wählen. Die Größe hängt von der Höhe Ihres Muttermundes ab. Eine zu kleine Scheibe kann verrutschen, eine zu große verursacht Druckgefühl. Wenn Sie unsicher sind, empfiehlt sich ein Set mit zwei Größen – so können Sie beide testen und die passende behalten.
  • Entspannt bleiben. Anspannung verengt die Beckenbodenmuskulatur und erschwert das Einführen. Atmen Sie tief durch und nehmen Sie sich Zeit, besonders beim ersten Mal.

Schritt für Schritt: Menstruationsscheibe einführen

Schritt 1: Bequeme Position finden

Finden Sie eine Position, in der Sie sich wohlfühlen. Jeder Körper ist anders, probieren Sie aus, was für Sie funktioniert:

  • Auf der Toilette sitzen (Beine leicht gespreizt),
  • Im Stehen mit einem Bein auf dem Badewannenrand,
  • In der Hocke,
  • Auf der Seite liegend.

Die meisten Anfängerinnen berichten, dass das Einführen auf der Toilette oder in der Hocke am einfachsten gelingt, weil der Vaginalkanal in diesen Positionen etwas kürzer und zugänglicher ist.

Schritt 2: Scheibe falten

Drücken Sie die Menstruationsscheibe mit Daumen und Zeigefinger an beiden Seiten zusammen, sodass sie eine schmale, längliche Form annimmt. Die gängigsten Falttechniken finden Sie im nächsten Abschnitt.

Tipp: Befeuchten Sie die Scheibe vorher mit etwas Wasser. Das erleichtert das Einführen und sorgt dafür, dass sie sanfter gleitet.

Schritt 3: Scheibe einführen

Halten Sie die gefaltete Scheibe mit einer Hand fest und führen Sie sie mit der Öffnung nach oben langsam in die Vagina ein. Wichtig: Schieben Sie die Scheibe schräg nach hinten in Richtung Steißbein, nicht senkrecht nach oben. Der Vaginalkanal verläuft leicht diagonal.

Schieben Sie die Scheibe mit dem Zeigefinger so weit zurück, bis die hintere Kante im Vaginalfornix (dem Scheidengewölbe hinter dem Muttermund) ankommt.

Schritt 4: Hinter dem Schambein einhaken

Sobald die hintere Kante der Scheibe im Vaginalfornix sitzt, drücken Sie die vordere Kante mit dem Finger nach oben und hinter Ihr Schambein. Sie spüren einen leichten Widerstand, wenn die Scheibe einrastet. Das Schambein ist die harte, knöcherne Struktur, die Sie vorne oberhalb des Vaginaleingangs ertasten können.

Schritt 5: Sitz überprüfen

Fahren Sie mit einem sauberen Finger vorsichtig entlang des Randes der Scheibe. Der Rand sollte gleichmäßig aufliegen, ohne Knicke oder Falten. Wenn die Scheibe richtig sitzt:

  • Spüren Sie sie nicht oder kaum,
  • Fühlt sich nichts unangenehm oder drückend an,
  • Sitzt der Rand hinter dem Schambein verankert.

Wenn Sie die Scheibe deutlich spüren oder ein Druckgefühl auf Blase oder Darm haben, sitzt sie wahrscheinlich nicht tief genug. Schieben Sie sie etwas weiter zurück und prüfen Sie erneut.

Tipp für Anfängerinnen: Tragen Sie beim ersten Mal eine Slipeinlage oder Periodenunterwäsche als Backup. So können Sie die Scheibe in Ruhe testen, ohne sich Sorgen über Auslaufen zu machen.

Die besten Falttechniken für Menstruationsscheiben

Die richtige Falttechnik kann den Unterschied zwischen einem mühsamen und einem mühelosen Einführen ausmachen. Probieren Sie verschiedene Varianten aus und finden Sie die, die für Ihren Körper am besten funktioniert.

Die 8er-Faltung (am häufigsten verwendet)

Drücken Sie die Scheibe an gegenüberliegenden Seiten zusammen, sodass sich eine liegende Acht ergibt. Diese Technik macht die Scheibe am schmalsten und wird von den meisten Herstellern empfohlen. Sie eignet sich besonders gut für Anfängerinnen.

Die C-Faltung

Falten Sie die Scheibe einmal in der Mitte zusammen, sodass ein Halbmond oder ein „C“ entsteht. Diese Methode hält die Öffnung der Scheibe etwas breiter als die 8er-Faltung, was das korrekte Platzieren im Vaginalfornix erleichtern kann.

Die Taco-Faltung

Drücken Sie die Scheibe mit zwei Fingern von oben zusammen, sodass sie sich wie ein Taco nach innen faltet. Diese Technik eignet sich besonders für weichere Scheiben und reduziert den Durchmesser beim Einführen auf ein Minimum.

FalttechnikBeschreibungAm besten geeignet für
8er-FaltungGegenüberliegende Seiten zusammendrückenAnfängerinnen, universell einsetzbar
C-FaltungIn der Mitte zusammenfaltenEinfacheres Platzieren im Fornix
Taco-FaltungVon oben nach innen drückenWeiche Scheiben, enger Vaginalkanal

Alternative: Applikator verwenden

Wenn Ihnen das manuelle Einführen schwerfällt, bieten einige Hersteller einen optionalen Applikator an. Dieser funktioniert ähnlich wie ein Tampon-Applikator: Sie legen die gefaltete Scheibe ein und schieben sie mit dem Kolben in Position. Das ermöglicht ein sauberes, präzises Einsetzen ohne direkten Kontakt. Zum Beispiel werden Menstruationsscheiben wie die Menstruationsscheibe Omydisc oder die Menstruationsscheibe von Cup&Co mit solchen Applikatoren angeboten.

Menstruationsscheibe entfernen: So klappt es ohne Chaos

Das Entfernen bereitet den meisten Anfängerinnen mehr Sorgen als das Einführen. Zu Recht – denn ohne die richtige Technik kann es unordentlich werden. Mit etwas Übung wird es aber schnell zur Routine.

Schritt-für-Schritt: Entfernen

  1. Hände waschen und eine bequeme Position einnehmen (Toilette sitzen ist am praktischsten).
  2. Beckenboden entspannen und leicht nach unten pressen, als würden Sie auf die Toilette gehen. Das drückt die Scheibe nach vorne und macht sie besser erreichbar.
  3. Finger einführen und den vorderen Rand der Scheibe hinter dem Schambein ertasten.
  4. Rand einhaken: Haken Sie einen Finger (Zeigefinger) unter den Rand der Scheibe und lösen Sie sie vorsichtig vom Schambein.
  5. Langsam und möglichst waagerecht herausziehen. Versuchen Sie, die Scheibe so gerade wie möglich herauszuziehen, um ein Verschütten zu minimieren.
  6. Inhalt in die Toilette leeren, Scheibe mit Wasser abspülen und bei Bedarf erneut einsetzen.

Die Rolle der Rückhol-Lasche

Eine Rückhol-Lasche vereinfacht das Entfernen erheblich. Anstatt mit dem Finger hinter den Rand zu greifen, ziehen Sie einfach an der Lasche – sauberer und mit weniger Blutkontakt.

Nicht alle Menstruationsscheiben haben eine Lasche. Bei Marken wie OmyDisc oder Cup&Co ist eine Rückhol-Lasche integriert. Die doppelte Rückhollasche von Cup&Co lässt sich dabei individuell anpassen: einen Ring abschneiden, die Lasche kürzen oder komplett entfernen, wenn Sie fortgeschrittener sind.

Scheiben ohne Lasche (wie Bamboozy, Cosmundi oder Selenacare) erfordern mehr Übung beim Entfernen, funktionieren aber genauso zuverlässig, sobald Sie den Dreh raushaben.

Auto-Dumping: Entleeren ohne Entfernen

Ein besonderer Vorteil der Menstruationsscheibe: Beim Toilettengang können sich viele Scheiben durch die natürliche Muskelanspannung des Beckenbodens teilweise entleeren, ohne dass Sie sie herausnehmen müssen. Dieses Phänomen heißt Auto-Dumping. Das Blut fließt in die Toilette, und Sie drücken die Scheibe danach einfach wieder in Position.

Nicht jede Frau erlebt Auto-Dumping – es hängt von der Anatomie und der Stärke des Beckenbodens ab. Wenn es funktioniert, ist es aber ein enormer Vorteil, besonders an starken Tagen.

Häufige Probleme beim Einführen – und wie Sie sie lösen

Die Scheibe rutscht heraus oder sitzt nicht richtig

Mögliche Ursachen:

  • Die Scheibe ist zu klein für Ihre Anatomie.
  • Die vordere Kante ist nicht richtig hinter dem Schambein eingehakt.
  • Der Beckenboden ist sehr stark (z. B. nach intensivem Beckenbodentraining).

Lösung: Prüfen Sie, ob die vordere Kante wirklich hinter dem Schambein sitzt. Drücken Sie sie mit dem Finger nach oben, bis Sie ein leichtes Einrasten spüren. Wenn das Problem anhält, probieren Sie die nächstgrößere Scheibe.

Die Scheibe tut weh oder drückt

Mögliche Ursachen:

  • Die Scheibe ist zu groß.
  • Sie sitzt zu tief und drückt auf den Vaginalkanal statt im Fornix.
  • Der Ring ist zu hart für Ihre Anatomie.

Lösung: Schieben Sie die Scheibe tiefer, sodass sie im Vaginalfornix landet. Wenn der Druck anhält, ist möglicherweise eine kleinere oder weichere Scheibe die Lösung. Einige Hersteller bieten Sets mit zwei Größen an – ideal, um die passende zu finden.

Die Scheibe läuft aus

Mögliche Ursachen:

  • Die Scheibe sitzt nicht korrekt hinter dem Schambein.
  • Die Größe passt nicht zur Höhe Ihres Muttermundes.
  • Die Scheibe ist voll (bei starker Blutung schneller als erwartet).

Lösung: Entfernen Sie die Scheibe, leeren Sie sie und setzen Sie sie erneut ein. Achten Sie darauf, dass die vordere Kante hinter dem Schambein eingehakt ist und der Rand gleichmäßig aufliegt. Bei starker Blutung leeren Sie die Scheibe häufiger (alle 4–6 Stunden statt der maximalen 12 Stunden).

Die Scheibe lässt sich nicht entfernen

Keine Panik – die Scheibe kann anatomisch nicht „verschwinden“. Sie sitzt vor dem Muttermund, und der Gebärmutterhals ist zu eng, als dass sie durchrutschen könnte.

Lösung: Setzen Sie sich entspannt auf die Toilette und pressen Sie mit Ihren Beckenbodenmuskeln leicht nach unten, als würden Sie auf die Toilette gehen. Das drückt die Scheibe in Reichweite. Dann den Finger einführen, den Rand ertasten und vorsichtig herausziehen. Falls Sie eine Scheibe mit Rückhol-Lasche verwenden, greifen Sie einfach nach der Lasche.

Menstruationsscheibe vs. Menstruationstasse: Die wichtigsten Unterschiede beim Einführen

Viele Frauen steigen von der Menstruationstasse auf die Scheibe um – oder überlegen, welches Produkt besser zu ihnen passt. Beim Einführen gibt es wesentliche Unterschiede:

KriteriumMenstruationsscheibeMenstruationstasse
PlatzierungIm Vaginalfornix, hinter dem SchambeinIm Vaginalkanal, weiter unten
HaltemechanismusHinter dem Schambein eingehaktUnterdruck / Vakuum
EinführtiefeTieferFlacher
LernkurveEtwas steiler für AnfängerinnenEtwas einfacher durch Vakuum-Feedback
TragekomfortSehr hoch (kaum spürbar)Gut, aber manchmal spürbar
Sex möglichJaNein (muss entfernt werden)
Spirale (IUD)Gut geeignet (kein Unterdruck)Risiko durch Unterdruck beim Lösen

Der größte Unterschied: Die Scheibe erzeugt keinen Unterdruck. Das bedeutet, dass Sie beim Einführen kein „Plopp“ hören oder spüren – stattdessen müssen Sie die vordere Kante aktiv hinter dem Schambein einhaken. Das braucht anfangs etwas mehr Übung, bietet aber den Vorteil, dass die Scheibe besonders angenehm sitzt und auch beim Geschlechtsverkehr getragen werden kann.

Tipps für Anfängerinnen: So gelingt der Umstieg

  • Üben Sie zu Hause. Die ersten Male sollten Sie in Ruhe in Ihrem Badezimmer testen – nicht unterwegs oder auf der Arbeit.
  • Starten Sie an einem leichten Tag. Weniger Blut bedeutet weniger Stress beim Üben. Alternativ können Sie die Scheibe auch ohne Periode einführen, um die Technik zu lernen.
  • Tragen Sie ein Backup. Slipeinlage oder Periodenunterwäsche geben Sicherheit für die ersten Zyklen.
  • Geben Sie sich 2–3 Zyklen. Die meisten Frauen brauchen einige Versuche, bis das Einführen und Entfernen zur Routine wird.
  • Wählen Sie ein Set mit zwei Größen. Die richtige Passform lässt sich erst durch Ausprobieren herausfinden. Starter-Sets wie das von OmyDisc oder das Einsteigerpaket von Cup&Co enthalten zwei Größen und bieten eine 90-Tage-Geld-zurück-Garantie – Sie können die Scheibe also mehrere Zyklen lang risikofrei testen.
  • Nutzen Sie Wasser als Gleitmittel. Befeuchten Sie die Scheibe vor dem Einführen – das macht einen spürbaren Unterschied.
  • Entspannen Sie sich. Anspannung ist der häufigste Grund für Schwierigkeiten. Atmen Sie tief ein und aus, und nehmen Sie sich Zeit.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ich eine Menstruationsscheibe beim ersten Mal richtig einführen?

Ja, viele Frauen schaffen es beim ersten Versuch. Die meisten brauchen aber 2–3 Versuche, bis die Scheibe zuverlässig sitzt. Das ist völlig normal. Wichtig ist, sich Zeit zu nehmen und verschiedene Positionen und Falttechniken auszuprobieren. Beim Einführen unter der Dusche profitieren Sie vom warmen Wasser, das gleichzeitig als Gleitmittel dient.

Wie tief muss die Menstruationsscheibe eingeführt werden?

Die Scheibe muss tiefer als ein Tampon oder eine Menstruationstasse sitzen – nämlich im Vaginalfornix, dem Scheidengewölbe direkt vor dem Muttermund. Die vordere Kante wird hinter dem Schambein eingehakt. Wenn Sie die Scheibe im Alltag nicht spüren, sitzt sie richtig.

Kann ich mit einer Menstruationsscheibe auf die Toilette gehen?

Ja. Die Scheibe muss zum Wasserlassen oder Stuhlgang nicht entfernt werden. Beim Pressen kann es allerdings zum Auto-Dumping kommen – die Scheibe entleert sich dabei teilweise von selbst in die Toilette. Das ist kein Fehler, sondern ein praktischer Nebeneffekt. Drücken Sie die Scheibe danach einfach wieder in Position.

Spürt mein Partner die Menstruationsscheibe beim Sex?

In den meisten Fällen nein. Die Scheibe sitzt im Vaginalfornix und liegt flach an der Vaginalwand an. Die meisten Paare berichten, dass weder sie noch der Partner die Scheibe spüren. Falls doch, kann das an der Größe oder der Positionierung liegen. Scheiben mit Rückhol-Lasche können beim Sex minimal spürbar sein – bei Bedarf lässt sich die Lasche bei manchen Modellen kürzen oder falten.

Wie oft muss ich die Menstruationsscheibe wechseln?

Die maximale Tragedauer liegt bei 12 Stunden. Bei starker Blutung sollten Sie die Scheibe alle 4–6 Stunden leeren. Menstruationsscheiben haben ein deutlich höheres Fassungsvermögen als Tampons (bis zu 70 ml im Vergleich zu ca. 10 ml bei einem Tampon), sodass Sie in der Regel seltener wechseln müssen.

Ist das Einführen einer Menstruationsscheibe schmerzhaft?

Nein, das Einführen sollte nicht schmerzhaft sein. Die Scheibe besteht aus weichem, medizinischem Silikon und passt sich dem Körper an. Wenn Sie Schmerzen oder starkes Druckgefühl spüren, sitzt die Scheibe entweder nicht richtig oder die Größe stimmt nicht. Versuchen Sie, sie tiefer zu schieben oder wechseln Sie zur anderen Größe.

a65aa02e0c5f43dfb88cd11fe37b78cc Menstruationsscheibe einführen: Kompletter Leitfaden für Anfängerinnen