Aufgabenstellung

Begründen Sie den aktuellen Boom des „Großstadt-Gärtnerns“.

Lösung

Der Boom des Großstadtgärtnerns ist ein Indikator für gesellschaftliche und soziale Umwälzungsprozesse.
Es gibt ein sehr starkes, wachsendes Nachhaltigkeits- und Umweltbewusstsein in der Gesellschaft. Der Wandel des Naturbildes geht hin zu einer „integrierten Natur“.
Früher war die Entwicklung einer Siedlung stark mit der Produktion von Nahrungsmitteln verbunden, durch die Globalisierung ist diese Wechselbeziehung immer mehr in den Hintergrund gerückt.
Nicht nur Stadt- und Landschaftsplaner, Architekten, Künstler, Sozialwissenschaftler und Designer beschäftigen sich nun mit Themen der Nahrungsmittelproduktion und der Ernährung, besonders die Stadtbewohner ergreifen nun die Initiative und pflanzen auf alten postindustriellen Brachen und kleinsten Flächen in und um die Stadt Nutzgärten.
Durch mehr wissenschaftliche Erkenntnisse kommt es zu einem neuen Gesundheitsbewusstsein, welches sich nicht nur in der Ernährungsphilosophie niederschlägt, sondern bei dem die urbanen Gärten als Entschleunigungsinseln des Alltags, einen willkommenen Ort der Ruhe und Stille darstellen.
Die Menschen sehnen sich gewisser Maßen nach produktiver Tätigkeit und auch der Sinnlichkeit des eigenen Tuns als Gegenpol zu der Entkörperlichung durch die Digitalisierung der Lebenswelt.
So entsteht das Bedürfnis der Naturerfahrung, verbunden mit dem Wunsch nach Selbstverwirklichung. Das Selber-Machen führt zudem zu einer Entkopplung von der Konsumgesellschaft und den Produktionsketten der globalen Nahrungsmittelindustrie, hin zur Rückbesinnung auf lokale und regionale Ressourcen. Es gibt auch ein stärkeres ökologisches Bewusstsein, welches nicht zuletzt auch durch die globale Ressourcen- und Nahrungsmittelkrise herbeigeführt ist.
Es gibt eine starke Umlandsbeziehung. Die Umlandsbeziehung zwischen Stadt und Land sind auf die Unterschiede zurückzuführen wie die Bebauungs- und Besiedlungsdichte und die
Tier- und Pflanzenwelt, welche wiederum auch mit der Versieglung der Böden zu tun haben.
Es gibt immer mehr Aufklärung, was unsere Nahrungsmittel betrifft. Dies möchte ich am Beispiel der Lebensmittel im Supermarkt verdeutlichen: Einer immer größer werdenden Bevölkerungsgruppe wird bewusst, dass es Auswirkungen auf unsere Umwelt hat, wenn die Früchte, die wir im Supermarkt kaufen, über die halbe Welt eingeflogen oder geschifft werden.
Die Transportmittel bringen die Waren wie Gemüse und Obst aus dem Umland, Ausland oder oft auch vom anderen Ende der Welt in die Städte um dort die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisen, dabei entsteht ein massiver Verbrauch von Material und Treibstoff, welcher als Abgas in unserer Atmosphäre landet.
Geradezu alle Lebensmittel (Obst, Gemüse), welche in den Städten zu kaufen sind kommen von außerhalb und müssen in die Stadt gebracht werden.

Dabei entstand die Idee, Lebensmittel in der Stadt auf den unterschiedlichsten Flächen anzubauen, um den umständlichen Lieferungen entgegen zu wirken. Das Großstadt-Gärtnern hat vielerlei Vorteile, zum Beispiel die Verbesserung des Stadtklimas.
Die Luftqualität verbessert sich und die Wärmebilanz wird positiv durch weniger Überhitzung.
Zudem hat das Gärtnern positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit, kommt den Bedürfnis der Naturnähe nach und bietet die Möglichkeit der Selbsternährung.
Die Komplexitätszunahme in den politischen Entscheidungsprozessen führt zum Wunsch nach Einfachheit, Klarheit und Gestaltung, verbunden mit der Suche nach neuen Formen gesellschaftlicher Teilhabe.
Es gibt auch einen sozialen Aspekt, indem das „Wir-Gefühl“ gestärkt wird (auch zwischen den Nationalitäten). Besonders in Metropolen, aber auch allgemein in Städten kommt es zu einer neuen Gemeinschaftsorientierung. Die städtische Anonymität steht hier im Gegensatz zur persönlichen Begegnung. Gärten werden wie Allmenden genutzt und es kommt auch wieder zu einer Netzwerkbildung in der Nachbarschaft.
All diese Vorteile sorgen dafür, dass urban Gardening die unterschiedlichsten Menschen anspricht und auf der ganzen Welt zusehends zu einem Trend wird.
Ein urban Gardening Projekt kann durch die ökologischen (Luft- und Klima/Temperaturverbesserung) und sozialen (Gemeinschaft, verbesserte Lebensqualität, Integration von marginalisierten Bevölkerungsgruppen) Vorteile überzeugen. Zudem kann es auch noch für eine Aufwertung von einem Stadtteil sorgen. Durch das weitgehende zivilgesellschaftliche Engagement werden Brachen entmüllt und bepflanzt, es werden praktische Lernorte für Kinder geschaffen und an Lebensqualität gewonnen.
Durch die Gärten wird eine Teilhabe an der Stadtgestaltung geschaffen und es entstehen neue grüne Orte der Stadtnatur, welche zur gesunden Ernährung anstiften.

Die Gemeinschaftsgärten können Ökologie, Ökonomie und Soziales in einen Einklang bringen und sorgen deshalb für einen Trend in Städten auf der ganzen Welt.