Der in Nordamerika vorkommende Seitenstreifen-Leguan ist ein beliebtes Beutetier von Seevögeln. Es sind mehrere Populationen der Echsenart bekannt, die sich in ihrer Färbung unterscheiden.

Auf der Pedro-Martir-Insel tragen die Echsen eine graue Tarnfarbe, da durch den Selektionsdruck nur diejenigen Tiere überleben, die sich kaum von dem Untergrund abheben.

Jedoch gibt es auf anderen Inseln Tiere mit einer grünen Färbung. Diese Tiere heben sich deutlich vom Untergrund ab.

Unter dem Begriff Gendrift versteht man eine deutliche Verschiebung der Allelfrequenz im Genpool einer Population innerhalb einer kurzen Zeit. Dieser Gendrift entsteht durch ein zufälliges Ereignis.

Gründereffekt

image-1 Entstehung der grünen Form der Seitenstreifen-Leguane mit Zufallseffekten
Gründereffekt (eigene Darstellung)

Bei den Seitenstreifen-Leguanen scheint ein Gendrift vorzuliegen, da sich ein Merkmal, also eine Allelfrequenz verändert hat, in diesem Fall ist es die Färbung. Der Gründereffekt ist eine Variation des Gendrifts. Hierbei wenden sich wenige Individuen von der Ausgangspopulation ab und besiedelt einen neuen Lebensraum, wo sie eine neue Population gründen. Dadurch ist die Allelhäufigkeit im Vergleich zur Ausgangspopulation deutlich geringer und es wird nur noch ein kleiner Teil der genetischen Vielfalt repräsentiert. Dabei können vorher vorhanden gewesene Gene verschwinden, da die Populationen voneinander isoliert sind und kein Genfluss mehr besteht (es könnte zur allopathischen Artbildung kommen). Der Genpool besteht also aus einer anderen Allelzusammensetzung.

Es ist also vorstellbar, dass durch ein zufälliges Ereignis einige Echsen auf andere Inseln gekommen sind (zum Beispiel durch Menschen oder geographische Veränderungen) und dort eine neue Population gegründet haben. Theoretisch reicht schon ein befruchtetes Weibchen, dass keine Anpassungserscheinungen durch den Selektionsdruck zeigt und eventuell eine Mutation ist aus, um auf einer anderen Insel für eine Gründerpopulation zu sorgen. Da es zwischen den Inseln das Meer als Barriere gibt, könnte es sein, dass die Seitendtreifen-Leguane dort keine, oder andere Fressfeinde hatten, was zu dieser Färbung geführt hat. Es gab also andere biotische oder abiotische Bedingungen die den Selektionsdruck auf grüne Echsen senkte.

Flaschenhalseffekt

Ein anderes Beispiel für Gendrift ist der Flaschenhalseffekt. Durch eine drastische Verminderung der Populationsgröße findet eine genetische Verarmung statt. Man spricht von einem Flaschenhalseffekt, wenn die Anzahl der Individuen der Population danach wieder ansteigt.

Dabei haben die verbleibenden Tiere nur noch einen sehr geringen Teil der da vorigen Gene (Allele). Die daraus resultierende Population kann sich erheblich vom früheren Genpool unterscheiden. Ein Flaschenhalseffekt wird häufig durch eine Naturkatastrophe (oder auch Krankheiten oder Parasitenbefall) hervorgerufen.

image-2 Entstehung der grünen Form der Seitenstreifen-Leguane mit Zufallseffekten
Flaschenhalseffekt (eigene Darstellung)

Also müsste man annehmen, dass es auf den Inseln, wo die grünen Formen der Seitenstreifen-Leguane leben, eine Naturkatastrophe gab. Diese Naturkatastrophe muss aber so geartet gewesen sein, dass nur die Tiere mit einer grünen Färbung überleben konnten. Da ich dies für sehr unwahrscheinlich halte, empfinde ich in diesem Zusammenhang den Gründereffekt als wahrscheinlicher um die Entstehung der grünen Form der Leguane zu erklären.

Es sei denn, die Seitenstreifen-Leguane unterscheiden sich nicht nur durch ihre Färbung, sondern auch durch andere Merkmale, welche begründen, weshalb diese eine Naturkatastrophe überleben und danach bessere Überlebenschancen, trotz ihrer Färbung aufweisen.

Eine Möglichkeit wäre, dass es eine Naturkatastrophe (z.B. Starkregen) auf den Inseln San Pedro Nolasco und Santa Catalina gab, die dafür sorgte, dass der Untergrund für einen gewissen Zeitraum grün wurde (es also eine besonders ausgeprägte Flora gab) sodass die grünen Echsen eine bessere Tarnung hatten und in Folge dessen nur noch die grauen Leguane gefressen wurden, als die grauen Leguane als Nahrungsquelle nicht mehr ausreichten, haben sich die Seevögel andere Nahrungsquelle gesucht, sodass selbst, nachdem sich die Natur wieder nach der Naturkatastrophe normalisiert hatte und die Leguane sich wieder vom (grauen und steinigen) Unterrund abhoben und nicht mehr dem  starken Selektionsdruck durch die Seevögel ausgesetzt waren.