Aufgabenstellung

Interpretieren Sie das Gedicht von Kurt Tucholsky (M6). Erörtern Sie dabei insbesondere die vielschichtige gesellschaftliche Gemengelage aus der heraus sich die neue urbane Gartenbewegung speist.

Gedicht

Ja, das möchste:
Eine Villa im Grünen mit großer Terasse,
vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstaße;
mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,
vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn –
aber abends zum Kino hast dus nicht weit.

Aus Kurt Tucholsky (1927): Das Ideal; Auszug

Lösung

In dem 1927 entstanden Gedicht von Kurt Tucholsky geht es um die Wünsche und Vorstellung vom idealen Wohnort.
Das lyrische Ich spricht im Gedicht, typische Wünsche des Wohnens an.
Die Sprache ist umgangssprachlich und somit noch verbindlicher und nahbarer.
Im zweiten Vers wird angesprochen, dass man sich eine Villa mit einer Terrasse wünsche, also ein luxuriöser Wohnstil, der sich in den folgenden Versen fortsetzt.
Im dritten Vers wird schon der zentrale Aspekt deutlich, die an sich unmögliche Vereinigung von Natur und städtischen Vorzügen, indem man einerseits nah am Meer wohnt und andererseits auch die beliebte Einkaufsstraße (Friedrichstraße) nah am Wohnort hat.
Im vierten Vers wird dies nochmal verallgemeinert, indem auch die Aussicht (Meeresblick) Bezug genommen wird und dem Wunsch nach dem Ländlichen, verbunden mit der modernen, städtischen Lebensart.
Es folgt der nächste Wunsch, der Wunsch nach den Bergen (in diesem Falle die Zugspitze), welcher wiederum mit der Erreichbarkeit von Freizeitangeboten wie Kino verbunden wird.
Allgemein werden die Vorzüge vom Ländlichen und der Natur mit dem städtischen Angeboten verbunden und die Verbindung von beidem als Wunsch dargestellt.
Bezieht man nun den Inhalt des Gedichts auf die urbane Stadtbewegung kommt man auf ein ähnliches Ergebnis. Die Städter wollen die Vorzüge der Stadt nutzen aber gleichzeitig auch den Kontakt zur Natur haben.
Die Gartenbewegung hat also ähnliche Ziele wie im Gedicht: Naturerfahrung und Begegnung. Jedoch geht die Zielsetzung des Großstadt-Gärtnerns noch weiter, indem es primär um Nahrungsmittelproduktion geht, werden auch ökologische Aspekte mit einbezogen. Ein weiterer Punkt, der im Auszug nicht deutlich genug zu Sprache kommt: die die Gemeinschaft. Die Gemeinschaft ist meist neben der Lebensmittelproduktion einen Kern der Idee von z.B. Gemeinschaftsgärten, welche auch zur urbanen Gartenbewegung gehören und ein Antrieb für solche Projekte ist.
Das Großstadt-Gärtnern führt das Stadt- mit dem Landleben zusammen, wodurch es ein neues Verhältnis der Bewohner zu ihrer Stadt ermöglicht.

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