Aufgabenstellung

Beschreiben Sie die beiden Fotos (M1). Stellen Sie Vermutungen darüber an, inwiefern sich die gesellschaftlichen Vorstellungen von einem Großstadt-Garten von den 1960er Jahren bis heute geändert haben.

Lösung

Bei dem Foto vom Archiv des Berliner Verlags mit der Bildunterschrift „Kleingartenidylle in Berlin in den 1950er Jahren“ ist ein Kleingarten mit einem Gärtner zu sehen. Im Hintergrund sind mehrstöckige Häuser zu erkennen. Man kann zwei Kleingärten sehen, in jedem steht jeweils ein kleines Gartenhaus und sie scheinen durch eine Hecke abgegrenzt zu sein. Der Gärtner ist ein älterer Mann welcher neben einem kleinen Obstbaum den Boden bearbeitet.
Aufgrund der Häuser im Hintergrund scheint es offensichtlich, dass sich die Kleingärten in der Stadt befinden. Jeder hat seinen eigenen kleinen abgegrenzten Gartenbereich.
Das Foto von Marco Clausen zeigt sie Prinzessinnengärten und trägt die Bildunterschrift „Mobil, wild, kollektiv: ein aktueller Großstadt-Garten in Berlin“.
Im Zentrum ist eine Gartenwirtschaft mit vielen Pflanzen, welche in Säcken und roten Kisten gepflanzt sind. Dies ist von großen Bäumen gesäumt welche den Gartenbereich von der rundherum befindlichen Stadt abgrenzen.
Die mehrgeschossigen Häuser sind als Wohnhäuser zu identifizieren, abgesehen von einem in der hinteren Mitte befindlichen Hauses welches durch ein das Logo als Sitz einer großen Automobilmarke zu erkennen ist.
Bei diesem Foto sind keine Gartenhäuser eindeutig zu sehen und es gibt auch keine Abgrenzung in einzelne Gärten.
Ich vermute, dass nach dem zweiten Weltkrieg (in den 1950er) Jahren, besonders in der Stadt, noch eine ungenügende und teure Lebensmittelversorgung gab. Bereits in den Kriegsjahren waren viele Menschen darauf angewiesen, sich ihr Essen selbst anzubauen, was sich auch nach dem Krieg noch fortsetzte. Der Kleingarten diente also nicht nur als privates Refugium, sondern auch und insbesondere für den Anbau von Gemüse und Obst.

Die Gartenhäuser erfüllen in erster Linie die Funktion als Stauraum für die Gartengeräte, teilweise aber auch als Wohn und Aufenthaltshaus.
Mit der Zeit wandelte sich der Kleingärten auch immer mehr zum Familiengärten, da sie auch als ein Freizeitort von Familien genutzt werden. Er dient zusehends also nicht nur als wichtige Wirtschaftsfläche, sondern auch als Erholung und Rückzugsort von der lauten und hektischen Stadt mit den versiegelten Oberflächen.
Mit der Zeit wurde auch die Versorgung stabiler, dadurch wurde der Kleingarten mehr zu einem Freizeit- und Erholungsort.
Meiner Ansicht nach, ist der Kleingarten vor allem zu einem Ort für in der Stadtlebende Hobby-Gärtner geworden, indem es nun auch viele Zierpflanzen gibt.
Neuste Bewegungen werfen aber wieder ein anderes Licht auf Stadt-Gärten. Durch das steigende ökologische Bewusstsein (vorwiegend) der Stadtbevölkerung geht der Trend wieder Richtung Nutzanbau aber auf eine neue, gemeinschaftliche und buntere Art. Der Garten wird dann eher zu einem Gemeinschaftsprojekt und Begegnungs- aber auch Erholungsort. Durch die Offenheit verlieht es die abgegrenzten Strukturen.
In den Siebziegerjahren gibt es in New York die ersten Gemeinschaftsgärten. Auf innerstädtischen Brachen entstanden die Community Gardens und entwicklten sich zu günen Oasen mit Gemüseanbau zur Selbstversorgung1. Die Idee verbreitete sich schnell, da die Gärten ernährungspolitische, soziale, künstlerische und ökonoschmische Fragen zusammenführten. Der Garten solle nun auch zu einem Ort der Vermittlung von Wissen werden.
Die gesellschaftlichen Vorstellungen eines Großstadt-Gartens haben sich also von einem persönlich, privaten zu einem öffentlichen Refugium für den Anbau von Nahrung entwickelt.

Quelle:

1 https://reset.org/knowledge/urban-gardening-mit-gaerten-die-welt-veraendern