In dem Versroman „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach nimmt der Gral eine große Rolle ein. Dieser Text behandelt, was den Gral ausmacht und wie er dargestellt wird. Ferner werden die Auswirkungen dargestellt und eine Interpretation versucht.

Seit 900 Jahren wird von dem/einem Gral berichtet. Gegen Ende des 5. Jhs. gab es wahrscheinlich eine erste Sage im Keltischen, welche aber nicht überliefert ist. Von ihr sollen die weiteren Sagen ausgehen.

Das Wort Gral kommt aus dem Französischen und bezeichnet eine Wunder wirkende Schale im höfischen Roman.1 Im Altfranzösischen, Griechischen, Portugiesischen und Spanischen bedeutet das Wort Gral (oder ein sehr ähnliches Wort): Gefäß oder Schale.

Wolfram von Eschenbach bezeichnet den Gral als Stein. Wahrscheinlich ist damit eine tragbare Schale gemeint. Mit Stein ist möglicherweise Edelstein gemeint. => Stein der Weisen

Es wird beschrieben, dass alles Glück der Erde es nicht vermag, ihn zu fassen.13 Dies verdeutlicht seine ungeheure Kostbarkeit. Der Gral soll eine lebensspendende Kraft haben, denn er spendet Speis und Trank.

Vorkommen im Roman

Zuerst wird der Gral im Buch V (5) erwähnt. Interessant ist jedoch, dass der hl. Gral zwei Bezeichnungen hat. Trevrizent bezeichnet ihn als lapsit exillis („er heizet lapsit exillis“ (Abschnitt 469,7)).

In den 16 Büchern wird der Gral immer wieder erwähnt. Parzival macht sich auf die Suche nach ihm, dadurch erhält der Versroman einen „Roten Faden“.

Der Gral

Um den Gral versammeln sich die Gralskönige, welche den Gral behüten. Er lässt sich nur von einer keuschen Jungfrau aufnehmen, da er für Sündenmenschen zu viel wiegt.11

Der Ort des Grals ist unterschiedlich angegeben. So wird im Abschnitt 816, 15 ein Tempel erwähnt. In den Abschnitten 501, 20 und 240, 24 wird als Ort (teilw. indirekt) die Kemenate des kranken Gralskönigs Titurel angegeben. Es auch wird erwähnt, dass sich der Gral auf dem Tisch des Burgherren (Anfortas) befindet. Er steht dort auf Seidenstoff.

Er wird von sog. Gralsjungfrauen bewacht. Der Gral wird nur bei besonderen Feiertagen gezeigt.10

Für Ungetaufte (Heiden) ist der Gral unsichtbar. Nur die vom Himmel Berufenen können den Gral „erringen“.3 Wer aktiv nach dem Gral sucht, wird ihn niemals finden. Viele versuchen ihn aber aktiv zu finden. Es muss absichtslos geschehen, dann erblickt man die (Grals-)Burg.12

Wenn man den Stein ansieht, wird man durch die Wunderkraft schön, verjüngt und man stirbt innerhalb einer Woche nicht, egal wie krank man ist. Man bleibt wie zur Zeit der schönsten Blüte (nur die Haare werden grau).2 Die Wunderkraft verbrennt den Phönix, macht ihn vollkommen zu Asche, und haucht ihm dann ein neues Leben ein. Der Vogel ist dann wie früher und erstrahlt wieder in hellstem Glanz.4

Am Karfreitag schwebt eine Taube vom Himmel und legt auf den Stein eine hellweiße Oblate. Daraufhin spendet der Gral Essen in großen Ausmaßen.

Interpretation

Die Gralssuche wird als das Streben des Einzelnen nach dem Ganzen dargestellt.6 Wolfram von Eschenbach trennt in Parzival die Natur und das Übernatürliche. So wird das Ganze hergestellt, beide „Welten“ werden vereint.

Die Reise zum Gral stellt eine Reise zu sich selbst dar. Erst wenn man selbstkritisch ist und sich selbst erkennt, kann man den Gral erringen. Man muss sich immer wieder den „Gral“ erkämpfen und wird auf dem Weg auch immer wieder zurückgeschlagen.

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