Aufgabenstellung

Erörtern Sie, inwiefern das Großstadt-Gärtnern als politische Praxis betrachtet werden muss. Beziehen Sie in Ihre Argumentation auch das Maifest der Großstadt-Gärtner mit ein (http://urbangardeningmanifest.de).

Lösung

Großstadt-Gärtnern präsentiert gewissermaßen ein Modell der besseren Gesellschaft. Eine Generationenübergreifende, integrative, nachbarschaftliche Gemeinschaft, des Austausches und gemeinsam Schaffens, Lernens und Teilens. Das steht im Kontrast zu Gewalt, Vereinsamung und Anonymität.
Es Kritisiert Rassismus, nie endenden Wachstum, die kommerzielle Monokultur-Landwirtschaft, die Ressourcenkrise, Privatisierung und Kapitalismus.
Es steht für Naturerfahrung, Biodiversität, Ernährungssouveränität und den Erhalt von Saatgut. Somit werden auch politische Ziele verfolgt.
Das Gärtnern ist eine einfache Form der gesellschaftlichen Teilhabe und es werden dabei Werte zum Konsumverhalten verbreitet.
Es wirkt gegen Privatisierung und wirtschaftliche Segregation3 und für eine Unabhängigkeit vom Staat. Für Unabhängigkeit sorgt es, indem es als ein selbstbestimmtes Projekt Freiraum von staatlichen Strukturen bietet.
Das Stadt-Gärtnern ist oft auch der Wunsch nach Partizipation an der Stadtgestaltung verbunden4.
Es gibt auch den symbolischen Aspekt, beidem gezeigt wird, dass ein Zusammenschluss von Menschen etwas bewirken kann.
Besonders das Verteilen von Samenbomben beim Guerilla Gardening kann auch politisch motiviert sein, indem auf die Ökologie in der Stadt hingewiesen wird und dass wohnungsnahe, öffentliche Räume auch für nicht kommerzielle Nutzung und Aneignungsmöglichkeiten aller Stadtbewohner*innen zur Verfügung stehen sollten.
Mit den neuen urbanen Gemeinschaftsgärten entsteht ein Gegengewicht zum neoliberalen Regime (keine Soziale Marktwirtschaft). Die urbane (junge) Avantgarde setzt sich der postfossilen Ökonomie entgegen und „reklamieren den öffentlichen Raum für das Gemeinwohl und setzten der Ökonomisierung der Gesellschaft Orte des Eigensinns und des selbstbestimmten Tuns entgegen“ (M7, Seite 46).

Quellen

https://urbangardeningmanifest.de/unterzeichner
3 http://www.eine-andere-welt-ist-pflanzbar.de/index.php?article_id=10&clang=0
4 http://www.schnappfisch.de/misc/download/vdhaide_urbanegaerten_hi.pdf S. 91-92