1. Vorteile von Inselvorkommen bei populationsbiologischen Untersuchungen

Die Untersuchung eines Inselvorkommens hat den Vorteil, dass die Population sehr genau erfasst werden kann. Biotische und abiotische Einflüsse sind überschaubarer und berechenbarer, da sie durch die festen Gebietsgrenzen limitiert sind. Die Population ist auch auf einen festen Bereich limitiert und kann ihren Lebensraum nicht oder nur in begrenztem Umfang erweitern. In dem gemeinsamen Genpool der Fortpflanzungsgemeinschaft gibt es (in diesem Fall) keine äußeren Einflüsse von hinzugewanderten Arten.

Hinweis: Die folgenden Fragen beziehen sich auf ein Arbeitsblatt aus dem Biologieunterricht.

2. Entwicklung der Dreizehenmöwenpopulation

Bruterfolg-Dreizehenmöve-auf-Helgoland-300x172 Ökologie: Population Möwen auf Helgoland (Arbeitsblatt Lösung)

Im Untersuchungszeitraum von 1952 bis 2008 ist ein Wachstum der Dreizehenmöwenpopulation auf der Insel Helgoland feststellbar. Die Tabelle (Abb. 2) zeigt die Anzahl der Brutpaare in Abhängigkeit der Jahre. Es handelt sich um ein logistisches Wachstum. Aus der Grafik wird ersichtlich, dass im Jahre 1952 fast keine Dreizehenmöwen auf Helgoland gebrütet haben. In den Jahren 1953 bis ca. 1970 wird eine Anlaufphase erkennbar. Ab ca. 1970 bis ungefähr 2002 wechseln sich Verzögerungs- und Vermehrungsphasen ab. Die Population wächst in diesem Zeitraum stark, von ca. 400 auf 8500 Brutpaare pro Jahr.

Zwischen den Jahren 1956 und 1990 gibt es durchgehend ein jährliches Wachstum, welches jedoch unterschiedlich hoch ausfällt. Danach wird das Wachstum pro Jahr stärker aber auch unregelmäßig. In mehreren Jahren geht die Anzahl der Brutpaare sogar zurück. Ab 2002 kann eine Absterbephase vermutet werden, obwohl es in den Jahren 2007 und 2008 wieder ein Wachstum gibt. Eine stationäre Phase ist nicht eindeutig erkennbar.

Die Schwankungen lassen sich durch die Einwirkungen des Menschen erklären, da bis in die 1900er Jahre die Dreizehenmöwe intensiv gejagt wurde. Mit den Schutzmaßnahmen nahm auch der Bestand der Möwen zu. Das Wachstum ist trotzdem noch veränderlich, die Schwankungen haben immer mehr zugenommen.  Vielleicht liegt das an der Verfügbarkeit der Nahrung oder anderen abiotischen Faktoren.

3. Kapazitätsgrenze auf Helgoland

Die Umweltkapazitätsgrenze K der Insel Helgoland könnte bei ca. 8500 Dreizehenmöwen-Brutpaaren liegen. Dies lässt sich aus dem Diagramm 2 ableiten, da bei ca. 8500 der Maximalwert liegt. Es kann vermutet werden, dass die verfügbaren Ressourcen nur für max. 8500 Möwen reichen.

4. Brutbiologische Daten

Die Angaben in Tabelle 1 vergleichen verschiedene brutbiologische Daten der Jahre 1986/1992 und 2008. Es lässt sich aus den Daten schlussfolgern, dass die Jungtieraufzucht im Vergleich schwerer geworden ist. Die Nahrungssuchflüge sind deutlich länger und die Fütterungen können daher seltener erfolgen. Möglicherweise ist die Nahrungsquelle (kleine Fische und Krebstiere) 2008 schlechter verfügbar als 1986. Dies lässt sich (auch) durch die stark gestiegene Anzahl der Individuen vermuten. Auch konnten 2008 die Alttiere weniger Zeit bei ihren Küken verbringen, dies hat möglicherweise den Bruterfolg verringert, da die Küken in dieser Zeit ungeschützt gegenüber Fressfeinden waren. Der Bruterfolg ist zwischen den Jahren 1992 und 2008 stark gesunken, zwischen 1976 und 1992 war er fast linear.

5. Zukunftshypothesen ab 2008

  • Deutliche Verschlechterung der Nahrungsgrundlage

Sollte sich die Nahrungsgrundlage stark verschlechtern, also ihre Verfügbarkeit oder Qualität massiv sinken, wird die Zeit, die für die Nahrungssuche aufgewendet werden muss, steigen. Davon abhängig ist auch der Bruterfolg, welcher als Folge sinken wird. Die Population wird sich weiterhin in einer Absterbephasephase befinden, bis die Nahrungsressourcen wieder ausreichend für die Anzahl der Tiere vorhanden sind. Dann werden sich Geburten- und Sterberate angleichen.

  • Nahrungsgrundlage verändert sich nicht

Wenn die Nahrungsgrundlage weiterhin so bleibt, wie sie im Jahre 2008 ist, wird eine Absterbephase so lange bestehen, bis ausreichend kleine Fische und Krebstiere für die Größe der Population vorhanden sind. Dann würde eine stationäre Phase folgen. Biotische- und Abiotische Faktoren spielen, genauso wie Schutzmaßnahmen, für die Weiterentwicklung der Population eine Rolle.

  • Neue Nahrungsressourcen

Wenn die Dreizehenmöwenpopulation eine neue Nahrungsressource erschließen kann, dann wird sie wieder in eine Vermehrungsphase kommen, da das Nahrungspotenzial für mehr Tiere vorhanden ist. Voraussetzung ist natürlich das Vorhandensein von geeigneten Brutstätten und allgemein Lebensräumen auf Helgoland.

Quelle:

Arbeitsblatt „Eine Population wächst… wohin?

Für die Arbeit gab es 15 Punkte.

Dein Kommentar