Das Gedicht „Heidenröslein“ wurde ungefähr im Jahre 1770 von Johann Wolfgang von Goethe verfasst. Es handelt von einem Knaben, welcher ein Röslein pflückt. Sinnbildlich geht es um einen Jüngling und eine nicht erwiderte Liebe zu einem Mädchen. Das Gedicht ist der Epoche des Sturm und Drang zuzuordnen.

Erste Strophe

Das Gedicht ist in drei Strophen mit jeweils sieben Versen gegliedert. Zu Beginn entdeckt ein Knabe auf der Heide ein Röslein. Das Röslein kann als Mädchen verstanden werden. Dieses Mädchen ist jung und sehr schön – der Knabe hat sich sofort in sie verliebt (Verse 3-5). Er befindet sich in einem „Liebesrausch“ voller Freude und Euphorie (V. 4-5). Das Röslein steht auf der Heiden (V. 2), also auf einer leeren Fläche. Vielleicht ist das Mädchen die einzige Chance (auf der leeren Heide) – der Jüngling will die Chance um jeden Preis nutzen, weshalb er auch sofort hineilt (V. 4).

Die erste Strophe hat eine euphorische und sehnsuchtsvolle Grundstimmung. Die Stimmung wird durch den festen Rhythmus unterstützt. Es werden viele kurze Verse genutzt, um die Emotion des Knaben auszudrücken. Die Strophe ist erzählend.

Zweite Strophe

In der zweiten Strophe will der Knabe das Röslein pflücken, woraufhin ihm von dem Röslein gedroht wird.

Im übertragenen Sinn will der Jüngling wahrscheinlich das Mädchen an sich binden, sie (gewaltsam) an sich reißen (V. 8: „Ich breche dich“). Der Knabe lässt dem Mädchen keine Wahl, sie droht ihm, sich zu verteidigen (V. 10: „Ich steche dich“). Wenn eine Rose abgebrochen wird, hat sie die (Lebens-) Energiezufuhr verloren und wird eingehen. Die Rose muss dann „leiden“ (V. 12). Das Mädchen ist fest entschlossen, sich nicht auf den Knaben einzulassen und wehrt sich (V. 10-11). Sie droht, einen bleibenden Schaden zu hinterlassen (V. 11). Sie will nicht gebrochen werden (V. 12).

In der zweiten Strophe ist die Grundemotion von Euphorie zu einem spannungsvollen Konflikt gewechselt. Als einzige Strophe im Gedicht enthält sie wörtliche Rede. Der Erzählstil hat von kurzen Ausrufen zu mehrzeiligen Äußerungen gewechselt. Dies unterstützt die Aussage der Strophe (Konflikt, Konfrontation).

Dritte Strophe

In der dritten und letzten Strophe wird die angekündigte „Gewalttat“ von dem Knaben vollzogen. Das Röslein wird gebrochen (V. 15-16). Der Knabe wird als wild bezeichnet. Er lässt sich durch das Stechen der Rose nicht beeindrucken (V. 17), auch kein Jammern hilft dem Röslein (V. 18), es muss nun leiden (V. 19). Der Jüngling lässt sich im übertragenen Sinn nicht durch die Drohung des Mädchens von seinem Vorhaben abbringen. Er geht nicht einmal darauf ein. Das Mädchen schafft es nicht, sich zu wehren (V. 18) und muss daraufhin leiden. Man kann den Knaben als gefühllos bezeichnen, er will um jeden Preis sein Ziel (Röslein/Mädchen) erreichen und lässt sich von dem Vorhaben nicht abbringen.

In der dritten Strophe wird der Konflikt gelöst, der Knabe pflückt die Rose. Die Rose „musst‘ es eben leiden“, die Natur nimmt ihren Lauf. Damit steht diese Strophe im Gegensatz zur ersten Strophe (freudig, euphorisch). Die Verse sind knapp und auf die Handlung reduziert, dies verdeutlicht das Geschehen in der Strophe.

Analyse

In dem Gedicht finden sich viele Wiederholungen (Wort „Röslein“; jew. zweiter und sechster, siebter Vers; Kehrreim). Die Wiederholungen tragen zum Rhythmus bei. Außerdem sind alle Strophen gleich lang (7 Verszeilen) und bestehen überwiegend aus Trochäen. Das Gedicht ist in der einfachen Vergangenheit verfasst.

Aus dem Brief einer Leserin: „Eine Heide ist … eine warme, sonnig sandige flache bis hügelige Landschaft mit niedrigen Gewächsen, wie Heidekraut, das violett-rot blüht, allerhand speziellen Gräsern und Blumen sowie niedrigen Sträuchern. Hin und wieder kleine Baumgruppen wie Birken, Sandhügel, auch kleine Moore. Auf jeden Fall eine sonnendurchwärmte lieblich blühende, schlichte hellsandige Sommerlandschaft, in der der Blick besonders auf die kleinen Schönheiten fällt bei großem freien Himmel, wo man sich seinen eigenen Weg frei sucht. Eine unscheinbare und unberührte Naturlandschaft, in der man sich frei ergehen kann, und in der man sich schnell für kleine Schönheiten, die jung und unberührt sind, begeistern und an denen man sich erfreuen kann. So sehr, dass man beschwingt dort hinzueilt, um sie näher zu betrachten. Und wie es dem Menschen eigen ist, möchte er sich das Schöne zu eigen machen, es ergreifen und erfahren. Dieses Verlangen ist stärker als jedes Leid, das ihm dabei begegnen könnte. Und so nimmt die „wilde“ Natur ihren Lauf.“

Der Text wurde mit der Note 2 bewertet.

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3 Kommentare zu „Gedichtinterpretation & Analyse „Heidenröslein“ (von Goethe)

  • 28. Februar 2019 um 14:07
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    In der Interpretation meines Deutschlehrers (1954) wurde „IHM“ dem Knaben zugeschrieben (der zu leiden hatte) das führt zu einer erfolgreichen Gegenwehr des Mädchens. Das „steche ich“ des Mädchens sei eine Warnung vor einer venerischen Krankheit des Mädchens mit deren Folgen der
    Knabe „ewig“ an das Mädchen “ denken „.. werden wird.

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  • 14. Januar 2018 um 13:31
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    Ohne Stilmittel? Das geht aber garnicht.

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    • 14. Januar 2018 um 17:49
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      oh doch! Unsere Lehrerin ist der Überzeugung, dass es darauf ankommt, die Aussage des Autors zu verstehen. Die Form ist bei ihr unwichtig. Du kannst aber gerne schreiben, welche Stilmittel fehlen!

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